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Vor langer Zeit, als das Träumen noch modern war  und die Eltern beim Gute Nacht Sagen

noch "Schlaf gut und träum etwas Schönes" wünschten, lebte Charlotta Carlsen auf einem

Hausboot. Es war kein besonders großes Boot, aber es reichte gut und gerne für drei,

besonders wenn der dritte immer unterwegs war.

 

Charlotta lebte schon lange auf dem Hausboot, wie lange genau, wusste sie nicht , sie konnte

sich aber auch nicht erinnern,  jemals woanders gelebt zu haben, also lebte sie dort schon,

solange sie denken konnte. Charlotta war ein hübsches Mädchen von sechs Jahren, trug

einen schwarzen Lockenkopf, und ihre Haut war so braun wie die leckerste Schokolade und genau so roch sie auch.

 

Als Charlotta in die Schule kam, wurde sie von ihren Mitschülern neugierig beäugt. Die Neugierigen berührten und  rubbelten ihre

Haut und als sie merkten, dass die Farbe echt war, gaben sie ihr den Namen Schokolotta. Schon bald kannte jeder ihren neuen

Namen, wenn man von ihr sprach so sagte jeder, ihr wisst schon... Schokolotta Charlotta Carlsen.

 

 

Manchmal war Charlotta wütend, wenn die Kinder sehen wollten, ob es unter der dunklen

Haut noch eine helle gäbe und sie versuchten, das Dunkle abzurubbeln, aber irgendwann

hatte es selbst der Dümmste begriffen, dass hell hell und dunkel dunkel ist.

   

 

 

 

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"Ich bin Susi Steinreich, die Elsterkönigin", so fing sie an, "und eigentlich sind die Luxusliner mein Zuhause. Nur diesmal hatte ich

fürchterliches Pech. Es hatte alles so gut angefangen. Tagsüber fütterten mich die Passagiere an Deck und nachts konnte ich nach

alter Elsternsitte, meinen Schatz vermehren, denn wir Elstern lieben alles, was glitzert und blinkt und was wir nicht freiwillig bekommen,

nehmen wir uns."

"Das ist Diebstahl", sagte Papa Ole und schüttelte missbilligend den Kopf. "Nenne es, wie du willst", sagte Susi Steinreich, "es macht

Spaß, und Spaß braucht man zum Leben. Wir Elstern sind da ganz ähnlich wie die meisten Menschen, wir handeln auch nur nach

dem Wahlspruch `Reichtum und Güter beschwichtigen die Gemüter´ und außerdem ist nicht alles Gold was glänzt; denn hätte ich

besser aufgepasst und genauer hingesehen, säße ich jetzt nicht hier, bei euch, auf einem klapprigen Kahn, sondern eine alte Lady

würde mich mit Kuchenstücken füttern, und nachts, wenn sie schläft, könnte ich in aller Ruhe meinen Schatz vermehren.

 

"Das ist Klauen und Klauen ist Diebstahl und Diebstahl ist Unrecht", erklärte Papa Ole.

"Ich weiß nichts von Recht oder Unrecht, wir Elstern nehmen alles was blinkt. Und das tun wir vom ersten bis zum letzten Flügelschlag."

 

"Unrecht Gut gedeihet nicht", warf Trude die Brieftaube ein, die viel von Recht und Unrecht hielt und am liebsten eine Friedenstaube

geworden wäre.

"Aber wenn sie den Unterschied zwischen Recht und Unrecht gar nicht kennt, wie soll sie da unterscheiden können", versuchte der

Pillewurm zu vermitteln.

"Paperlapapp!, sagte Trude, "soviel wird sie schon wissen, dass es nicht richtig ist, anderen etwas wegzunehmen." "Das glaube ich

auch", sagte Papa Ole und schaute die Elsterkönigin strafend an.

"Ist ja schon gut", sagte Susi Steinreich, "ich bin ja auch erwischt worden und man hat mich mit Schimpf und Schande davon gejagt.

Es hätte mich fast das Leben gekostet, ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft es hell und dunkel wurde, bis ich euren alten Kahn sah,

und mich endlich ausruhen konnte.

"Unverschämt, einfach unverschämt!" und um so was haben wir uns gekümmert, es gehegt und gepflegt, bis es wieder bei Kräften ,

war und das ist nun der Dank", sagte Trude entrüstet.

"Du bist wohl weit herumgekommen und hast viele schöne Dinge gesehen?" so versuchte Pivo, der es allen recht machen wollte, von

Trudes Moralpredikten abzulenken.

Ho, ho, das kannst du wohl sagen, zuletzt war ich beim Emir Mohamed Sabbat, einem

der Mächtigsten im Scheichtum Abu Sabi, um dort seinen Verlobungsring zu stehlen,

und das war garnicht so einfach. Die dicken Mauern, die vielen Wächter, dazu noch zwei

prächtige Jagdfalken, ich musste alle Kräfte und Mühe aufbringen, bis ich das Ding

endlich hatte.

"Da haben wir uns ein Früchtchen angelacht", gurrte Trude und schlug heftig mit ihren

Flügeln aber die Elsterkönigin ließ sich nicht beirren, sie erzählte. Sie beherrschte die

Kunst des Erzählens so gut, dass sie bald alle in ihren Bann gezogen hatte. Und selbst

Trude, die Taube, konnte sich der Magie der Elster nicht entziehen - und hörte - wenn

auch als Letzte, aufmerksam zu.

 

"Ja, ja, die Elsterkönigin war schon ein wilder Vogel und konnte tolle Geschichten

Illustration Carolin-Ina Schröter

berichten", sagte Papa Ole.

 

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